Matera

Matera

Matera, Kulturhauptstadt Europas 2019, macht eine Bella Figura. Von Plätzen am Schluchtenrand führt ein Gassen- und Treppenlabyrinth zu ausgemalten Felsenkirchen.
Die Provinzhauptstadt Matera (60.000 Einw.) liegt am Rande einer tiefen Karstschlucht, der Gravina di Matera. Am höchsten Punkt der Altstadt thront der Dom auf einer Felsnase, die den Stadtteil Sasso Caveoso von Sasso Barisano trennt. Die steilen Felswände sind von Höhlen durchzogen, die griechische Mönche ab dem 8. Jh. zu Felskirchen ausbauten. Als Matera unter den Normannen zur Blüte kam und die Bevöl­kerung anwuchs, fand sich in den Höhlen zusätzlicher Wohnraum. Die Höhlenwohnungen der Sassi beherbergen heute Hotels, Res­taurants, Galerien und Museen.

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Matera, Duomo
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Bauwerke

Duomo

Matera
Die helle Sandsteinfassade des Doms aus dem 13. Jh. ist mit einer Fensterrose und Heiligenfiguren geschmückt. Das barocke Innere birgt im linken Seitenschiff ein Fresko der Stadtpatronin ›Madonna della Bruna‹ (um 1270).
Matera, Museo della Scultura Contemporanea
Tipp der ADAC Redaktion
Museen

MUSMA

Matera
Das Museum zeitgenössischer Skulptur MUSMA passt perfekt in den großen Höhlenkomplex des Palazzo Pomarici aus dem 16. Jh. Jedes der Kunstwerke entfaltet vor den weiß bis gelborange getönten Felsen seine volle Wirkung.
Matera, Santa Lucia alle Malve
Tipp der ADAC Redaktion
Bauwerke

Santa Lucia alle Malve

Matera
Die hoch über der Stadt thronende dreischiffige Felskirche des 9. Jh. gehörte zum wohlhabendsten Kloster Materas. Den Innenraum schmücken exquisit erhaltene Wandmalereien, darunter eine zärtlich stillende ›Madonna del Latte‹ aus dem 13. Jh. und ein Erzengel Michael als Bote Gottes und kaiserlicher Botschafter im edelsteinbesetzten Mantel.
Matera, Convicinio di Sant'Antonio
Tipp der ADAC Redaktion
Bauwerke

Convicinio di Sant'Antonio

Matera
Sant’Antonio Abate, die größte von vier benachbarten Höhlenkirchen, beeindruckt mit drei Schiffen, Pfeilern, Arkaden, Gewölben und Altären. Fresken im byzantinischen Stil zeigen den hl. Antonio Abate und den hl. Sebastian.
Matera, Casa Grotta di Vico Solitario
Tipp der ADAC Redaktion
Bauwerke

Casa Grotta di Vico Solitario

Matera
Wie Mensch und Tier einst in den Höhlenwohnungen hausten, veranschaulicht die Casa Grotta di Vico Solitario aus dem 18. Jh.
Matera, San Giovanni in Monterrone
Tipp der ADAC Redaktion
Bauwerke

Santa Maria di Idris und San Giovanni in Monterrone

Matera
Die Kirche Santa Maria di Idris aus dem 13. Jh. und das im 11. Jh. geweihte Baptisterium San Giovanni in Monterrone sind in den Sasso Caveoso hineingetrieben. Die Wände der Kirchen und des Verbindungsganges sind mit Fresken aus verschiedenen Stilepochen geschmückt.
Matera, Madonna delle Virtù
Tipp der ADAC Redaktion
Bauwerke

Madonna delle Virtù und San Nicola dei Greci

Matera
Die untere Höhlenkirche Madonna delle Virtù besteht seit dem 10. Jh., die Fresken der Apsiden kamen 800 Jahre später hinzu. Die Oberkirche San Nicola dei Greci, ein Bauwerk des 11. Jh., bewahrt Fresken des 13. Jh. im byzantinischen Stil.
Matera, Sassi di Matera
Tipp der ADAC Redaktion
Ortsbild

Sassi di Matera

Matera
Direkt an der Grenze zu Apulien haben sich die Sassi di Matera zu einem sehenswerten Highlight in Italien entwickelt. Heute blicken sie auf eine lange und bewegte Geschichte zurück, die ihre Anfänge in der Jungsteinzeit findet. Vor allem die guten Umgebungsbedingungen wie die Lage am Fluss haben dafür gesorgt, dass sich schon früh Menschen ansiedelten. Die außergewöhnlichen Höhensiedlungen, die bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein bewohnt und als Elendsunterkünfte von verarmten Bauern und Arbeitern genutzt wurden, sind Teil des historischen Zentrums der Stadt Matera innerhalb der Basilikata. Erst durch ein umfassendes Kulturprojekt avancierten die Höhlen zum Besuchermagneten, der heute auch Restaurants und Hotels beheimatet. Besuch der beeindruckenden Höhlensiedlungen Bei einem Urlaub in der Basilikata gehören die Höhlensiedlungen zu den wohl wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Region. Gemeinsam mit der Civita und dem Piano stellen sie das historische Zentrum Materas dar. Ihr Ursprung reicht bis in die Jungsteinzeit zurück. Erbaut wurden die Höhlensiedlungen einst in zwei Talfurchen, die sich durch die markante Murgia-Hochebene bilden. Direkt auf dem Ausläufer der Hochebene befindet sich das Civita-Viertel, das noch heute mit beeindruckend mittelalterlichem Charme begeistert. Reisetipps für einen Spaziergang durch die Sassi di Matera Die Höhlenwohnungen und Felsenkirchen, die über Jahrhunderte hinweg in Matera entstanden, lassen sich bis heute am besten während eines Spaziergangs erkunden. Einst wurden die Häuser und Höhlen hier in den fahlen Kalkstein gegraben. Die einzelnen Häuser stehen dicht aneinander. Nur selten ist ein wenig Farbe in Form von bunten Fensterrahmen oder kleinen Gärten zu erkennen. Die Häuser lassen sich hier nur über schmale Gassen sowie zahlreiche Treppen erreichen. Aufgrund des kulturellen und archäologischen Wertes hat die UNESCO die Sassi di Matera schon im Jahr 1993 zum Weltkulturerbe ernannt. 100 Felsenkirchen mit historischem Gewand: Highlights der Sassi di Matera Die Höhlenwohnungen, die heute wieder teilweise bewohnt werden, sind nicht der einzige Höhepunkt der Sassi di Matera. Lohnenswert sind ebenso die etwa 100 Gotteshäuser, die sich hier befinden. Neben zahlreichen Felsenkirchen zählen dazu Klöster unterschiedlicher Größe. Die Felsenkirchen sind überwiegend an den Murgia-Hängen zu finden und werden vom Murgia-Materana-Park eingerahmt. Architektonisch besonders reizvoll präsentieren sich die wenigen Paläste, die über Jahrhunderte hinweg immer wieder von kulturellen Einflüssen geprägt wurden. Neben der Santa Maria di Idris sind vor allem die Santa Barbara Kirche mit ihren Fresken und die Casagrotta einen Besuch wert.
Matera, Piazza Sedile
Tipp der ADAC Redaktion
Ortsbild

Piazza del Sedile

Matera
Stadtpalais aus dem 17.–19. Jh. bilden den Rahmen für den Platz, den die Materaner heute wegen der Cafés und Restaurants schätzen. Markant ist der große Eingangsbogen zu dem einstigen Marktplatz und späteren Sitz städtischer Versammlungen. Terrakottastatuen in seinen Nischen zeigen die Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Stärke, Besonnenheit und Mäßigung als Werte einer guten Regierung.
Matera, Piazza Vittorio Veneto
Tipp der ADAC Redaktion
Ortsbild

Piazza Vittorio Veneto

Matera
Die Piazza Veneto mit ihren Brunnen, Sitzbänken und Restaurants ist der Treffpunkt Materas. Ausgrabungen machen den alten Markt Fondaco de Mezzo zugänglich, ferner eine große Zisterne und die Krypta der Kirche Santo Spirito.
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Geschichte: Magna Graecia - griechische Einflüsse in Süditalien

Ab dem 8. Jh. v. Chr. gründeten griechische Kolonisten Städte in Süditalien und prägten die Region mit ihrer Kultur so sehr, dass man sie bald Großgriechenland, Magna Graecia, nannte. Die griechischen Kolonisten fanden an den Küsten Süditaliens bessere Lebensbedingungen vor als in ihrer Heimat. In Kalabrien und der Basi­li­kata gründeten sie Städte wie Rhe­gion (Reggio Calabria), Sybaris (Sibari), Kroton (Crotone), Krimisa (Cirò), Lokroi Epizephyrioi (Locri) und Metapontion (Metapont).  Jede Polis war unabhängig und die Bürgerschaft selbst­bestimmt. Die Städte waren durch eine Ummauerung gesichert, ihr Zen­trum bildete die Agora, der Versammlungsplatz. Dieser war umgeben von Ratsgebäuden, Theatern und Tempeln. Wohnhäuser, Werkstätten, Brennöfen und Brunnen gehörten ebenfalls zum Stadtbild, wie archäologische Ausgrabungen bezeugen.  Einer der Griechen, der seine Heimat verließ, war Pythagoras. Er zog um 530 v. Chr. von der Insel Samos nach Kroton und hatte bald Schüler und Anhänger in ganz Süd­italien. Die Pythagoräer waren von der zahlenbasierten harmonischen Ein­heit der Welt überzeugt, strebten nach Harmonie in Leben und Gesellschaft. Ihr Leitgedanke war der Einkang von Mensch, Tier und Natur. Pythagoräer aßen kein Fleisch, brachten keine Tieropfer dar, verzichteten auf jeden Luxus. Als sie sich nach dem Sieg über ­Sybaris 510 v. Chr. gegen die Demokratisierung stellten – sie waren Anhänger der aristokratischen Oli­garchie und glaubten an Eintracht und Frieden durch Stabilität – mussten sie Kroton verlassen und gingen nach Me­ta­pont. Die Magna Graecia wurde damals Keimzelle der Philosophie, die Pythagoräer beeinflussten große Denker wie Platon, Aristoteles und He­ro­dot.  Im Laufe der Zeit gerieten die Griechenstädte in Konflikt mit italischen Völkern, mit Bruttiern, Lukaniern und Samniten. Das Römische Reich bot seine Hilfe an und konnte, auf Kosten der reichsten und mächtigsten Kolonie Taras (heute Tarent in Apulien), im 3. Jh. v. Chr. seinen Einfluss im Süden ausbauen. Nach dem Pyrrhischen Krieg (280-275 v. Chr.) eroberten die Römer das gesamte Gebiet der Magna Graecia. In den Folgejahren wurden Bevölkerung und Verwaltung romanisiert, die griechische Sprache wurde von Latein verdrängt.  Ab dem 6. Jh. gewann die griechische Kultur allerdings erneut an Einfluss in Süditalien. Rossano in der Sila Greca entwickelte sich zum ­Zentrum griechischsprachiger, lose organisierter orthodoxer Mönche. Viele der Basilianer­ genannten Glaubensbrüder lebten in Klöstern, gehörten aber keinem Orden an. Neue Basilianerklöster entstanden sogar noch während der Normannenzeit. Im 13. Jh. begann der wirtschaft­liche Niedergang, und da keine ­Erholung einsetzte, gaben die Ba­si­lianer im 16. Jh. den griechischen Ritus auf und übernahmen die Ordensregeln der Benediktiner.  Ein Zeugnis dieser Kultur, die griechisch-kalabrische Sprache, einst weitverbreitet, beschränkt sich heute auf Dörfer im Aspromonte wie Bolvo, Roghudi und Gallicianò.
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